2.25-2.40 Lebens-Erinnerungen: Ankunft in Bernburg

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Titel
2.25-2.40 Lebens-Erinnerungen: Ankunft in Bernburg
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[...] Irgendwann wurden die Türen wieder aufgerissen, es war nachts oder am frühen Morgen. Es wurde gerufen: „Alle raus!“ – Als wir deutsche Stimmen hörten, vergewisserten wir uns ungläubig: sind wir in Deutschland? - Antwort: na wo denn sonst!

Auf dem Bahnhof gab es das erste Mal wieder Wasser – zum Trinken und Waschen. Wer weiß, wie wir ausgesehen haben. Verschwitzt, erschöpft, verzerrte Gesichter vor Angst. Dann mussten wir wieder eine Sperre passieren, wo jeder von oben bis unten mit Desinfektionsmittelpuder aus einer großen Spritze bestäubt wurde. Gegen Ungeziefer, was mich so empörte. Heute kann man das verstehen, dass die auch Angst hatten, dass die Flüchtlinge was einschleppten. Im Anschluss wurden wir auf LKWs verteilt und weggebracht. Wir kamen nach Bernburg in ehemalige Fliegerbaracken, die total verwanzt waren. Darin waren Doppelstock–Holzpritschen aufgestellt. Wir gehörten zu denjenigen, die kein Ziel angeben konnten. Unsere Verwandten waren auch alle Flüchtlinge und konnten kein Asyl geben. Diese lebten meistens auch nur in einem Zimmer. Andere dagegen wurden auf einem anderen Bahnsteig ausgeladen und konnten von dort die weitere Reise gen Westen antreten. [...]
Räumlicher Geltungsbereich
Bernburg (Saale)