43.1-43.35 Bericht Polizei-Hauptmann Bornemann zur Kapitulation der Stadt ca. 18:30 Uhr
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Titel
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43.1-43.35 Bericht Polizei-Hauptmann Bornemann zur Kapitulation der Stadt ca. 18:30 Uhr
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Der Gegner verhielt sich bei seinem weiteren Vorwärtsdringen immer noch vorsichtig und zurückhaltend. Dadurch hatte der schwache deutsche Infanterieverband Gelegenheit, sich abzusetzen und das Stadtgebiet in ostwärtiger Richtung durch die Köthensche Straße zu verlassen. Auch der Kampfkommandant, Oberst Hollunder, verließ mit seinem Stabe, dem sich der Kreisleiter Himmrich mit seinem Büro anschloß, seinen Befehlsstand im Hause der Kreisleitung, Sedan-Platz 8, und errichtete seinen neuen Befehlsstand weiter ostwärts in der Zuckerfabrik Dröbel. Seit dieser Zeit ist von dem Kampfkommandanten und dem Kreisleiter nichts mehr bekanntgeworden. Die letzten Gruppen und Grüppchen der Wehrmacht zogen an den Häuserfronten entlang zur Köthenschen Straße hinaus. Gegen 18,00 Uhr war seine feindliche Infanteriespitze bis zur Gaststätte "Weihenstephan", Ecke Linden Straße-KarlsPlatz, vorgedrungen. Bald darauf erschienen auch einige Kampfwagen aus der Halleschen Straße auf dem Karls-Platz selbst. Infanterie schob sich durch die Deckungsgräben auf den Karlsplatz gegen das Rathaus vor, ohne auf militärischen Widerstand zu stoßen, und besetzte den Rathauseingang bei der Polizeiwache. Gleichzeitig rollten einige Panzer bis zur Ratsklause vor. Die Infanterie forderte vor dem Rathaus durch Zurufe den Oberbürgermeister und den Polizeichef auf, hinauszukommen zum Zwecke der Verhandlung. Oberbürgermeister Eggert und Polizeihauptmann Bornemann, die mit dem gesamten Stabe der örtlichen Luftschutzleitung die Befehlsstelle besetzt hielten, begaben sich auf diese Aufforderung hin vor das Rathaus und führten die ersten kurzen Verhandlungen mit der Kampfspitze, die von einem Leutnant geführt wurde. Dieser unterhielt sich durch drahtlose Telefonie mit seinem Kommandanten und nahm anscheinend weitere Anweisungen entgegen. Kurz darauf wurde das Rathaus von den Amerikanern besetzt. Der Oberbürgermeister mit seinem gesamten Personal der Städtischen Verwaltung und Polizei mußten während der Nacht im Rathaus verbleiben.
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Datum
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16. April 1945 um 18:00