3.58-4.23 Im Rathaus (van der Berg)
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3.58-4.23 Im Rathaus (van der Berg)
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Alles sah aus wie ausgestorben. Und da die Amerikaner der <S.4> Sache nicht trauten, ließen sie den Panzer direkt vor dem Haupteingang auftahren und der Schütze bekam den Auftrag, beim ersten Alarm eine Granate im Haupteingang hochgehen zu lassen. Ich deutete dem Amerikaner, daß wir zusammen versuchen sollten, den Haupteingang zu öffnen und hineinzugehen. Der Ami hatte seine Pistole gezogen und die begleitenden Soldaten hatten sich um den Panzer gruppiert und waren in Stellung gegangen.
Mein Herz hat sich überschlagen, Angst habe ich gehabt. Denn da brauchte nur einer loszuballern und da wäre es passiert. Der Ami stieß die Tür auf und gleichzeitig standen da fünf amerikanische Soldaten hinter uns und feuerten einige Schüsse in die Luft, dann stürmten die Amis hinter die Tür und sicherten die beiden Seitengänge und die Treppe nach oben. Ich zeigte ihnen die Polizeiwache, in den unteren Etagen waren keine Angestellten in den Büroräumen anwesend, alle hatten sich auf die oberen Etagen zurückgezogen. Und da kam der Herr Bürgermeister Eggert mit zwei Beamten und hochgehobenen Händen die Treppe herunter. Wenigstens wollte er die Treppe herunter, aber die Amis trieben ihn wieder zurück nach oben. Der amerikanische Offizier fragte mich, wer "diese Person" vorstellen sollte. Herr Eggert ver suchte sich zu erlauben, die Stadt zu übergeben, mit den Worten: "Als Bürgermeister dieser Stadt übergebe ich ... Da fiel der Ami ihm ins Wort und schnautzte ihn sinngemäß an, er sollte sich von weiteren Kommentaren fernhalten. Bürgermeister Eggert guckte mich an, denn er verstand kein Wort englisch, und ich habe ihn dann aufgeklärt.
Er, Herr Eggert, hatte nichts mehr zu übergeben, die Stadt war von den amerikanischen Streitkräften übernommen worden, und er sollte sich als Gefangener der amerikansichen Verwaltung betrachten, welche in den nächsten Stunden einziehen würden. Ich konnte es nicht unterlassen, ihn zu fragen wo sein goldenes Parteiabzeichen geblieben war, das er immer getragen hatte. Die übrigen Angestellten wurden beruhigt und durften nach Hause gehen mit dem Auftrag, am nächsten Tag wieder auf ihren Amtsstellen anwesend zu sein. Dann sollten ihnen die neuen Instruktionen mitgeteilt werden. Unter Vorbehalt mußten die normalen Arbeitszeiten und Vorgänge weiter laufen. [...]
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Datum
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16. April 1945 um 18:30