20.26-21.34 Kritik und Verantwortlichkeiten an den Bernburger Brückensprengungen (Eilsberger)

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20.26-21.34 Kritik und Verantwortlichkeiten an den Bernburger Brückensprengungen (Eilsberger)
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[...] Doch sei dem, wie es wolle, - in jedem Falle hätte die Mitteilung des Dir. Eilsberger am Abend des 12. April den Kampfkommandenten und den Kreisleiter veranlassen müssen, daß die beabsichtigte Brückensprengung angesichts der vorgetragenen Stellungen des Gegners in Calbe und Könnern, nördlich und südlich von der Stadt BERNBURG, die selbst vom Gegner unberührt war, ein sinn- und nutzloses Manöver war und daß wenigstens die Sprengung noch vertagt werden konnte undmußte. Die weitere Entwicklung konnte und mußte in Ruhe abgewartet und eine neue Entscheidung des Gauld.ters eingeholt werden. Diese Entscheidung hätte nach ein oder zwei Tagen, als tatsächlich gegnerische <S. 21> Verbände die Brücken bei Calbe und Könnern weithin überschritten hatten und Bernburg immer noch vom Gegner nicht erreicht war, vernünftigerweise nicht anders lauten können, als daß jedwede Sprengung zu unterbleiben habe, da Bernburg dann an beiden Seiten vom Gegner weit überholt - für ihn keine Gefahr mehr bedeutete und zur selbstverständlich gewordenen Übergabe geradezu gezwungen war. Doch die Verantwortlichen konnten nicht warten. Verrannt in den einmal gegebenen, ohne jedes eigene Verantwortungsbewußtsein hingenommenen Befehl des Gauleiters und, von dem falschen Ehrgeiz beherrscht, eine große Tat zu tun, schlug der Kreisleiter und mit ihm der Kampfkommandant die außerordentliche Mitteilung des Dir.Eilsberger in den Wind, und beide stürzten sich auf ihr Opfer, die drei Saalebrücken von Bernburg, um ihnen den Garaus zu machen und damit ein schweres Unglück über die Stadt Bernburg zu bringen. Nun wollte das Schicksal noch zweien von den drei Brücken, der SA-Brücke und der Annenbrücke, gnädig sein: die Sprengung dieser beiden Brücken war unvollkommen ausgefallen, es bestand immerhin noch die Möglichkeit, daß Panzer über sie fahren konnten. Doch der Kreisleiter verstand den Wink des Schicksals nicht. Im Gegenteil: nur den strikten Befehl das Gauleiters und seine eigene Ehrsucht im Kopfe, hatte er den einzigen Gedanken, den Fehler, den seiner Meinung nach die von ihm Beauftragten begangen hatten, vielleicht gar mit der Absicht, die Brücken zu schonen und ihn selbst bloßzustellen, so rasch als möglich wiedergutzumachen. Er forderte fernmündlich aus Dessau Fliegerbomben im Gewicht von 250 kg an und ließ bis zu deren Ankunft noch zwei weitere Sprengungen ausführen. Am folgenden Morgen des 13. April erfolgte dann mittels der inzwischen aus Dessau angelangten Fliegerbomben die letzte und vierte Sprengung, durch welche die SA-Brücke endgültig für die Überfahrt von Panzern unbrauchbar gemacht wurde. Eine wiederholte Sprengung am Morgen des 13. April machte auch die Annenbrücke für jeden Panzerübergang unbrauchbar. [...]
Datum
12. April 1945