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Titel
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06.20-08.16: Der Bombengroßangriff amerikanischer Flieger auf Bernburg am 11. April 1945 (Eilsberger)
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Die angloamerikanischen Flieger hatten während der ersten fünf Kriegsjahre die'Stadt Bernburg in auffallender Bevorzugung mit Bombenangriffen verschont. Auf ihren zahlreichen Flügen nach Berlin, Magdeburg, Dessau, Halle, Leipzig, von denen wohl die Mehrzahl über Bernburg hinzog, waren im 5.Kriegsjahr nur viermal einige wenige Bomben, mehr wie durch Zufall auf die Stadt selbst, niedergefallen und hatten hier nur geringen Sachschaden mit insge- samt vier Todesopfern verursacht. Weitere Angriffe folgten im Jahre 1944 noch auf den Bernburger Flugplatz, der zwar zum Stadtbezirk Bernburg gehört, aber doch weit außerhalb der bebauten Stadtlage, mehr in der Nähe von Neugattersleben, gelegen ist. Bei diesen Angriffen, deren Ziel die auf dem Flugplatz liegenden Flugzeug- fabriken der Junkerswerke waren, wurden Wohnviertel der Stadt Bernburg nur in ganz geringem Umfange berührt. Beim ersten Angriff vom 20.2.44 betrug die Zahl der Toten siebzehn, der Verletzten achtundvierzig. Bei den weiteren drei Angriffen vom 11.4., 29.6. und 7.7. wurden insgesamt sieben Tote und elf Verletzte gezählt.
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Der Angriff vom 11.4.45 war aber ein die Stadt selbst betreffender BOMBENGROBANGRIFF, der erste derartige, den die Stadt erlitten hat.
Der Anflug der amerikanischen Maschinen erfolgte westlich von Bernburg in Richtung Süden, schwenkte im Süden von Bernburg ost- wärts um und drehte dann zur endgültigen Angriffsrichtung südnord, längs der Eisenbahn Köthen-Bernburg ein. Der Angriff erfolgte in zwei getrennten Wellen um 10,20 Uhr und um 11,40 Uhr. Der Bomben- abwurf geschah aus einer Höhe von 2500 m.
Die von den Deutschen Solvay-Werken aufgenommene und dann vom Stadt- bauamt verkleinerte Kartenskizze machte es offensichtlich, daß das Ziel des Angriffs, der Güterbahnhof Bernburg mit seinen zahlreichen Gleisen und Baulichkeiten zwischen der Eisenbahn-Fußgängerbrücke in der Parkstraße und dem Empfangsgebäude des Bahnhofs war. Mit dem Angriff auf den Bahnhof Bernburg verfolgte der Gegner anscheinend in erster Linie den Zweck, den begonnenen militärischen Aufmarsch deutscher Truppen in Richtung auf den Harz zu stören. Zu demselben Zwecke wurden gleichzeitig auch die Bahnhöfe Aschersleben und Köthen lahmgelegt. Außer dem Bahnhof in Bernburg freilich wurde auch umfangreiches Nebengelände mit zahlreichen Wohngebäuden und mehreren Industrieanlagen sowie der Friedhof II schwer getroffen und beschädigt.
Endlich wurde noch auf ein kleines Geländestück, das auf dem jenseitigen Saale-Ufer, in der Aue, etwa 300 m nördlich von der Saale und rund 400 m östlich von der Eisenbahn gelegen ist, Bomben in größerer Menge zusammengedrängt, abgeworfen. Man hatte beobachtet, daß von beiden Wellen gerade deren hinterste Maschinengruppe auf diese enge Stelle ihre Bomben niederwarf. Es war nicht ausge- schlossen, daß diese Bomben die Eisenbahnbrücke sprengen sollten, jedoch durch den starken Südostwind abgedrängt ihr Ziel verfehlten, wobei es nur auffallen mußte, daß zwei getrennte Maschinengruppen dasselbe kleine Geländestück am allerdichtesten mit Bomben belegten. Neunundzwanzig Trichter wurden hier gezählt, d.h. auf den Hektar gerechnet sechsundfünfzig.
Die sichte der Bombenabwürfe mit Trichterbildung, ebenfslls auf den Hektar umgerechnet, betrug auf der Hegebreite und Teilen des Bahnhofes zweiundzwanzig, für die Baulichkeit vierzehn bis siebzehn, für den Friedhof und Teile des Bahnhofes 9 bis 12 Trichter. Es wurden
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durchweg nur Sprengbomben, keine Brandbomben geworfen. Der erste Teilangriff - 10,20 Uhr - erfolgte in sechs Pulks zu je sechs Maschinen, der zweite 11,40 Uhr, anscheinend in sieben Pulks zu je sechs Maschinen. Wenn wir annehmen, daß jede Maschine sechs Bomben abwarf, sind im ganzen
6x6x6 + 7x6x6 = 216 + 252 = 468
Bomben abgeworfen worden. Von den Trichtern entfielen etwa neunzig auf das Bahngelände, neunundzwanzig auf die Auei der Rest mit hundertsiebenundachtzig auf den Friedhof II, Parkstraße, Bahnhof- straße, Martinspiatz, Hegestraße, Hegebreite. An Trichtern wurden im ganzen dreihundert gezählt. Die meisten Trichter hatten eine Tiefe von 3 - 5 m unter Erdniveau mit Randaufwürfen von 1/4 bis 1/3 m sowie einen Durchmesser von 6 - 8 m. Solche Masse entsprach einem Sprengstoffgewicht von 500 kg.
Doch wurden auch schwere Bomben abgeworfen, worauf Trichter von 15 m Durchmesser und 8 m Tiefe schießen ließen.
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Quelle
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Eilsberger (1980) Inbesitznahme, S. 6-8
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Datum
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11. April 1945
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Zeitlicher Geltungsbereich
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1945